*Rezension* Als das Cello vom Himmel fiel - Ivan E. Coyote


Wertung: 5/5 Palmen

Titel: Als das Cello vom Himmel fiel
Originaltitel: Bow Grip
Autorin: Ivan E. Coyote
Erscheinungsdatum: 4. März 2011
Seiten: 224
Preis:10 €
Verlag: Krug & Schadenberg
ISBN: 978-3930041749

Über die Autorin: Ivan E. Coyote stammt aus Whitehorse, Yukon, im äußersten Nordwesten Kanadas. Sie liebt Trucks, kleine Hunde, guten Kaffee, gescheite Frauen, Lederarbeiten, Tischlern, Geschichten erzählen, Angeln, Hockey, Knoten knüpfen, Kochen, auf Bäume klettern und ihren Mittagsschlaf. Sie tritt häufig als »Spoken Word«-Künstlerin auf und hat zahlreiche Erzählungen veröffentlicht. »Als das Cello vom Himmel fiel« ist ihr erster Roman. Heute lebt Ivan E. Coyote mit ihrer Partnerin in Vancouver, British Columbia.

Joey, Anfang 40 und Automechaniker in der kanadischen Provinz, versteht die Welt nicht mehr: Seine Frau Allyson hat ihn verlassen. Sie lebt nun in Calgary mit einer Frau zusammen - mit Kathleen. Als Joey unverhofft Besitzer eines Cellos wird, nimmt sein Leben eine Wende. Er beschließt, im fernen Calgary Cellounterricht zu nehmen.
Am Ende der Romans eröffnen sich für Joey wie auch für Allyson und Kathleen erstaunliche neue Perspektiven.


Ich danke meinem Kommilitonen Peter, der diese Rezension so liebevoll verfasst hat!

Um was gehts? 
Als seine Frau Allyson ihn für eine andere Frau verlässt, zerbricht Joeys Welt. Neben diesem Versagen als „richtigen Ehemann“ erfasst er, dass er vermutlich seine Frau nie gut kannte. Als wäre das nicht genug, sind alle die ihm umgebenen Menschen über seine loserhafte Lage informiert. Sogar Jim Carson, der Joey ein handgemachtes Cello im Austauschhandel für einen alten Volvo vorschlägt, da alle wissen, dass Joey ein Hobby braucht, um sich vom Verlust seiner Frau abzulenken. Seine Pittbull-Mutter Ruth macht daraus kein Geheimnis. Joeys Reise nach Calgary, um Allyson ihre restlichen Sachen zu bringen, stellt sich jedoch als eine Art Selbstentdeckungsreise heraus, wobei er Zufriedenheit, Liebe und die Verwirklichung seines Traum findet, Vater zu werden.

Was halte ich von dem Buch?
Wir haben hier eine Art von Entwicklungsroman, woraus in kurzer Zeit aus dem provinziellen Versager, der das allgemeine Mitleid ihm gegenüber nicht aushalten konnte, ein selbstsicherer Mann hervorging. Das Cellospielen und Joeys Talent dafür trugen zwar zu dieser Entwicklung bei, aber ebenso wichtig war Joeys Auseinandersetzung mit den vielen unterschiedlichen und interessanten Charakteren des Romans, die er während seines Aufenthalts im Capri Motel Court Motel in Calgary kennenlernte. Von dem angehenden Buchautor Hector, im benachbarten Zimmer über seine Cellolehrerin Caroline, die bei einem Porno-Video Verleih jobbte, bis hin zu Cecilia, der Frau, die Joey für Jims Frau hielt, wirkten sich all die Charaktere positiv auf Joey und die Story seiner Selbstfindung aus. Ohne Jim Carson zu vergessen, der eine ganz besondere Geschichte verbarg. Die Emotionen wurden aus Joeys Sicht und in seinen eignen einfachen Wörtern geschrieben, was sowohl glaubwürdig als auch berührend wirkte. Insbesondere gefiel mir der Ich-Erzähler Schreibstil, Joeys Notizen im von seiner Therapeutin verschriebenen Stresstagebuch.

Das Einzige, was mich an diesem Buch störte, war das Cover. Eine Freundin hatte mir dieses Buch empfohlen, sonst wäre es mir nicht aufgefallen, weder vom Cover noch vom Klappentext. Man sieht hier ein weißes Auto vor einem alten Haus mit abblätterndem Lack – was haben diese mit der Handlung zu tun? Meiner Meinung nach wäre eine viel eindeutigere Anspielung auf die in der Spannung erzeugten Elemente besser gewesen, zum Beispiel ein Cello auf der Werkbank einer Autowerkstatt. Da das Coverfoto beim englischen Original dasselbe ist, hätte ich demgegenüber den selben Einwand aufgehoben.


Als Über-50 Mann, der keinen stereotypisch machohaften Lebenslauf aufweist, kann ich mich in Joey wiedererkennen und deswegen hat das Buch mir sehr gefallen (außer das Cover). Ich habe viel darüber nachgedacht, worauf durch die Widmung den Männern ihrer Familie die Autorin abzielte. Man kann nicht wissen, ob sie diese würdigen (hoffentlich ist dies der Fall), oder ihnen ein alternatives Männerbild vorlegen wollte. Auf jeden Fall eignete sich dieses Buch für all diejenigen, – egal welchen Geschlechts – welche sich für ein modernes Männlichkeitsbild interessieren (oder die man dafür interessieren will: Weihnachtsgeschenk für den trendigen Opa?).

- Cover:  2/5
- Story: 5/5
- Charaktere: 5/5
- Schreibstil: 5/5
- Emotionen: 5/5




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